Susanne Beisenherz gewinnt Panoramalauf 2016 in Altenahr

Susanne Beisenherz mit Panoramalaufveranstalter Eule Frings (Foto: Eule Frings)
Susanne Beisenherz mit Panoramalaufveranstalter Eule Frings (Foto: Eule Frings)

Man muss nicht immer weit fahren, um einen tollen Lauf zu erleben. Dem Profil nach könnte man meinen, man sei in der Schweiz oder Österreich. Aber nein, alpinähnliche Läufe findet man auch in Deutschland, z. B. in Rheinland-Pfalz, in Altenahr.

Nach 45 Autominuten erreiche ich mein Ziel. Die Startgebühr beträgt lächerliche 19 Euro. Zum sechsten Mal findet dieses Jahr der Panoramalauf in Altenahr statt. Man kann zwischen verschiedenen Distanzen wählen: 16 km, 33 km oder 52 km mit 1650 Höhenmetern. Als Ultraläuferin habe ich mir natürlich letzteres vorgenommen. Naben deutschen Läuferinnen und Läufern starten auch Teilnehmer aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich.

Wir beginnen den Lauf alle gemeinsam von der St.-Martin-Schutzhütte aus. Kaum sind wir um die Hütte herumgelaufen, kann man auch schon einen grandiosen Blick auf die Burg Are werfen. Es geht weiter durch die Weinberge auf dem Rotweinwanderweg entlang. Die Sonne lässt die Rebhänge und das Ahrtal erstrahlen. Es geht hoch und runter und es ist mittlerweile ziemlich heiß. Die Sonne brennt auf uns nieder, als wir kilometerweit an den Weinreben vorbeilaufen. Hier und da tauchen immer wieder Burgen auf – wir passieren unter anderem Mayschoß, Dernau (Weinkulturdorf), die Saffenburg, Wintersberg, Altenburg, Steinerberg und den Kreuzberg. Mal geht’s über abfallende Wiesen runter, dann wieder steil rauf durchs Unterholz.

Eigentlich bin ich zwei Wochen nach dem Monschau Marathon noch nicht wieder ganz fit und halte mich daher anfangs zurück. An der Verpflegungsstelle bei Kilometer 25 treffe ich auf einige Läufer und Läuferinnen, die die ganze Zeit weit vor mir gelaufen sind. Nachdem ich mich mit ausreichend Flüssigkeit, Salzstangen und Bananen versorgt habe, trabe ich weiter. Meine Augen brennen vom Schweiß, der mir nun in Strömen übers Gesicht läuft – kein Wunder bei Temperaturen von 36 bis 38 Grad.

Strecke und Weinberge (Foto: "Jojo,Selbstläufer Altenahr")
Strecke und Weinberge (Foto: "Jojo,Selbstläufer Altenahr")

Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass ich ganz alleine laufe und bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Doch da entdecke ich wieder einen Pfeil, der mir die Richtung weist. Ein Schild „Oh, eine Verpflegungsstation, ca. 1 Min.“ kündigt die nächste Versorgungsstelle an. Dort erfahre ich, dass ich erste Frau bin und auch nur wenige Männer vor mir habe.

Über Schieferplatten, die unter meinen Laufsohlen bröckeln, geht´s weiter. Es geht hoch und nochmal hoch und um die Ecke wieder hoch und … hoch … Ich muss immer wieder gehen, mein Puls steigt immer mehr, ich schwitze ohne Ende und dann kommt sie doch noch, die nächste Verpflegungsstelle. Ich rufe aus: Meine Güte, geht’s hier heute auch noch mal runter?

Einer der Läufer steht an der Versorgungsstelle und wir stellen fest, dass wir uns ja von einem anderen Ultralauf kennen und laufen zusammen weiter. Dann übernimmt er wieder die Führung. Ich versuche an ihm dranzubleiben. Da ich wie immer ohne Uhr unterwegs bin, erfrage ich an der letzten Versorgungsstelle, wann wir endlich da sind: Nur noch sieben Kilometer bekomme ich zu hören.

Ich renne im Schweinsgalopp weiter über steile Wurzelwege hoch und runter. Fast wäre ich an einem Berg an einer dieser Wurzeln hängen geblieben und gestürzt. Ich laufe nun wieder vorsichtiger und konzentrierter. Die Wege sind sehr gut markiert und ausgeschildert. Auch die Verpflegung ist hervorragend. Ich treffe auf weitere Läufer. Der eine fragt mich, wie ich das schaffe, ohne Trinkrucksack zu laufen und nicht zu verdursten. Ich führe ein 0,5-Liter-PET-Flasche mit mir, die ich an jeder Versorgungsstelle auffülle und nehme zusätzlich mehrere Becher Flüssigkeit (meist Apfelschorle) zu mir. Da es sechs Versorgungsstellen gibt, ist es mir möglich insgesamt drei Liter aufzufüllen. Das reicht und ich kann auf einen lästigen Trinkrucksack verzichten unter dem man tierisch schwitzt und dadurch viel Energie verliert.

Der nächste Läufer fragt mich, ob ich noch „Körner übrig hätte“. Nein, eigentlich nicht und renne den nächsten Berg hoch. Wie eine Bergziege, so sagt man es mir jedenfalls nach.

Die letzten KM geht’s dann auch nochmal hoch, irgendwie müssen ja die 1650 Höhenmeter zustande kommen. Es zieht sich ... an der allerletzten Versorgungsstelle wird mir schon zugejubelt und gratuliert. Nun noch das letzte Stück … ich sehe die Martinshütte. Nein! Ich muss nochmal bei Affenhitze „drumherum“ laufen und kann dabei nochmal einen letzten Blick auf die Burg Are werfen. Dann bin ich im Ziel als erste Frau und Gesamtdritte nach 5:58 Stunden.

Eins ist ganz gewiss: Das war nicht mein letzter Lauf um die Burg Are!

Nächstes Ziel: Deutsche Meisterschaft im 24h-Trail in Arnsberg am 08./09.10.2016.

Wichtig ist zu erwähnen: Mein Sponsor ist die „Klinik für Epileptologie, Uni Bonn“.

Susanne Beisenherz

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